Paralympics Nachrichten
Para Schwimm-EM: Sprungbrett für die Paralympics 2028
Für das deutsche Nationalteam im Para Schwimmen steht der internationale Höhepunkt der Saison an: Die Europameisterschaften finden vom 7. bis 12. September im türkischen Kocaeli statt – nachdem lange Zeit kein Ausrichter gefunden wurde. Bundestrainerin Ute Schinkitz nimmt das größte Aufgebot seit 15 Jahren mit zu den Wettkämpfen in der Nähe von Istanbul, darunter auch zahlreiche junge Athletinnen und Athleten sowie neue Namen.
Ursprünglich war geplant, dass die EM im Sommer im niederländischen Eindhoven stattfindet. Der Königliche Niederländische Schwimmverband (KNZB) sowie die niederländischen
Außen- und Sportministerien beschlossen Ende Februar allerdings, die Europameisterschaften
nicht zu organisieren, weil Russland und Belarus bei der Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) erlaubt worden ist, bei der EM unter eigener Flagge zu starten, nationale Embleme zu zeigen und im Erfolgsfall ihre Hymne zu hören.
Für die Bundestrainerin Ute Schinkitz sind dies Dinge, „die man nicht beeinflussen kann“. Genauso wie den Zeitpunkt der EM im September: Die deutschen Schwimmer*innen mussten 2026 das dritte Jahr in Folge über den Sommer trainieren. Eine Zeit, in der es sich wegen geschlossener Bäder immer recht schwierig gestaltet, geeignete Trainingsorte zu finden. Trainingslager mussten zudem kurzfristig gebucht werden, was eine zusätzliche Herausforderung darstellte. Dennoch überwiegen die positiven Gedanken im deutschen Team: „Wir sind froh, dass es eine EM gibt, ganz gleich, wo. Man kann Kocaeli nur dankbar sein, dass sie die EM ausrichten, sie geben sich allergrößte Mühe“, sagt Schinkitz. Schließlich gibt es auch andere Beispiele, wie die Para Leichtathletik zeigt: Da kein Ausrichter gefunden werden konnte, fällt das sportliche Jahres-Highlight aus.
Größtes Team seit 15 Jahren: Die jüngste Athletin ist 13 Jahre
Ohnehin gilt es jetzt, den Fokus auf die Wettkämpfe zu legen. „Alles andere müssen wir ausblenden. Das ist immer wieder ein Lernprozess“, sagt die Bundestrainerin, die mit einem großen Team in die Türkei reisen wird: 22 Para Schwimmer*innen umfasst die deutsche Mannschaft. „15 Jahre ist es her, dass unser Team zuletzt so groß war“, erzählt Schinkitz und verweist auf die Heim-EM 2011, als 22 Athlet*innen plus acht Schwimmer*innen aus dem Nachwuchs teilgenommen hatten.
Neben den sehr erfahrenen Teammitgliedern wie den Paralympics-Sieger*innen Tanja Scholz, Elena Semechin, Taliso Engel oder Josia Topf gibt es auch ein Quintett, das erstmals international zum Einsatz kommt: Alessia Kollmer, Julian Füllgraf, Marlon Jung, Linus Harms und Janis McDavid feiern ihre Premiere. Jüngste Athletin ist Nisanur Kocabas mit 13 Jahren, die bereits bei den European Para Youth Games vor einem Jahr am Start war. Einige der Neulinge und weitere junge Teammitglieder werden aufgrund der Teilnehmerzahl in bestimmten Startklassen keinen Vorlauf haben und treten damit direkt im Finale an. „Sie müssen sofort ihre Leistung bringen und Performance zeigen. Das ist nochmal eine andere Nummer“, weiß die Bundestrainerin. Weil es beispielsweise auch nicht genug Athletinnen in der Startklasse SB12 gibt, wird Elena Semechin in der Türkei in der SB13 an den Start gehen.
Doch egal ob erfahren oder Neuling – für alle gilt: „Sie müssen den Fokus auf sich selbst richten, um das Maximale an Tag X herauszuholen“, betont Schinkitz. Klar sei laut der Bundestrainerin aber auch, dass diejenigen Athlet*innen, die bereits bei großen internationalen Wettkämpfen Edelmetall gewonnen haben, „nicht in Kocaeli antreten, um keine Medaille zu gewinnen“.
Ein Platz auf dem Podium werde freilich kein Selbstläufer: Zum einen gibt es neue Konkurrenz und zum anderen werden bei der EM auch Klassifizierungen stattfinden. Es könnten also noch einige neue Konkurrent*innen für die deutschen Starter*innen dazukommen beziehungsweise wegfallen. Diesen sportlichen und auch mentalen Herausforderungen stellt sich das große und junge Team bei den Europameisterschaften. „Die EM ist ein Sprungbrett für die WM, wo die Konkurrenz stärker sein wird. Und 2028 in Los Angeles wird es nochmal schärfer zugehen“, weiß die Bundestrainerin.
Neben den 22 Schwimmer*innen sowie dem 17-köpfigen Funktionsteam wird es noch zwei weitere äußerst junge Teammitglieder geben: Verena Schotts Tochter Stella und Elena Semechins Sohn Klaus (beide geboren 2025) werden mit in die Türkei reisen. Über diese Möglichkeit der Unterstützung ist nicht nur Bundestrainerin Ute Schinkitz äußerst froh.
Weitere Informationen und Ergebnisse gibt es auf der Webseite des internationalen Verbandes.
Wissenswertes rund um die Sportart Para Schwimmen sind auf der Online-Plattform parasport.de zu finden.
Text: Patrick Dirrigl / DBS
Das deutsche Aufgebot für die Para Schwimm-EM in der Türkei:
Gina Böttcher (Alter: 25 / Startklasse: S4/SB3/SM4 / Verein: SV Motor Babelsberg / Geburtsort: Brandenburg a. d. Havel), Johanna Döhler (16 / S13 / Berliner Schwimmteam), Taliso Engel (24 / S13 / SG Bayer / Lauf a. d. Pegnitz), Julian Füllgraf (20 / S14 / VfL Osnabrück / Osnabrück), Linus Harms (21 / S10/SB9/SM10 / SV Motor Babelsberg / Berlin), Philip Hebmüller (19 / S13 / SG Neuss / Neuss), Marlon Jung (16 / SB9 / SSV Leutzsch / Leipzig), Charlotte Kast (18 / S7/SB7/SM7 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Nisanur Kocabas (13 / S6/SB5/SM6 / SV Motor Babelsberg / Vechta), Alessia Kollmar (15 / S7/SB6/SM7 / SC Regensburg / Regensburg), Balint Köszegvary (17 / S10/SB9/SM10 / SC Delphin Lübeck), Mieke Sophie Leiße (14 / S13 / PSV Essen / Essen), Mira Jeanne Maack (22 / S8/SB7/SM8 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Janis McDavid (35 / S1/SB1/SM1 / Berliner Schwimmteam / Hamburg), Judith Pein (18 / S14 / SG PSV-MFZK Schwerin / Lübeck), Tanja Scholz (42 / S4/SB2/SM3 / PSV Union Neumünster / Kaltenkirchen), Verena Schott (37 / S6/SB5/SM6 / BPRSV Cottbus / Greifswald), Elena Semechin (32 / S12 / Berliner Schwimmteam / Nowoskatowka (Kasachstan)), Tabea Teschauer (19 / S7/SB7/SM7 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Josia Topf (23 / S3/SB3/SM3 / SV Motor Babelsberg / Erlangen), Maurice Wetekam (20 / S9/SB9/SM9 / SG Bayer / Dortmund).
Zusätzliche Informationen
Allgemeine Infos
Das sind die paralympischen Spiele
Die paralympischen Spiele sind der sportliche Höhepunkt für die weltbesten Sportler/-innen mit einer Behinderung. Hauptsächlich treten Menschen mit einer körperlichen Behinderung bei den Paralympics an. Jedoch gehen auch Menschen mit einer Sehbehinderung (z.B. in den Sportarten Goalball, Para Schwimmen, Para Leichtathletik) oder mit einer geistigen Behinderung (z.B. Para Leichtathletik, Para Tischtennis, Para Schwimmen) an den Start. Dagegen starten Gehörlose bei den Deaflympics. Für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung veranstaltet Special Olympics die sogenannten Weltspiele.
Geschichte
Die ersten Paralympischen (Sommer-)Spiele fanden 1960 statt. Der Ursprung geht allerdings bis zum 28. Juli 1948 zurück. An diesem Tag fanden die 1. Sportspiele für Rollstuhlfahrer, die sogenannten Stoke Mandelville Games, parallel zu den olympischen Spielen von London statt.
IPC & NPC
Die paralympischen Spiele werden vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) organisiert. Die Spiele sind in Sommer- und Winterspiele aufgeteilt. Sie finden im gleichen Jahr und am gleichen Ort der olympischen Spiele statt.
Die Funktion des Nationalen Paralympischen Komitee (NPC) übernimmt in Deutschland der Deutsche Behindertensportverband (DBS). Der DBS ist Mitglied im NPC und der Dachverband des SBV.
Chancengleichheit durch Klassifizierung
Bei den Paralympischen Spielen gibt es ein Klassifizierungssystem, das die Sportler in unterschiedliche Kategorien einteilt. Je nach Art und Ausprägung der Behinderung starten die Sportler*innen in den jeweiligen Sportarten in unterschiedlichen Behinderungsklassen. Das Klassifizierungssystem soll Chancengleichheit in den Wettkämpfen ermöglichen.
Im Weitsprung werden Sportler/-innen beispielsweise in vier unterschiedliche Kategorien unterteilt. Athlet/-innen mit visueller Beeinträchtigung, intellektueller Beeinträchtigung, koordinativer Beeinträchtigung und unterschiedlichem Grad von Amputation bzw. einer anderen Beeinträchtigung. Athleten mit einer Bein- oder Fußprothese ist es freigestellt, mit welchem Bein sie abspringen.
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Die nächsten paralympischen Spiele
Sommer Paralympics 2028: 22. August bis 3. September 2028 in Los Angeles (USA)
Winter Paralympics 2030: 01. März bis 10. März 2030 in den Französischen Alpen
Sommer Paralympics 2032: 24. August bis 05. September 2032 in Brisbane (Australien)
Winter Paralympics 2034: 10. März bis 19. März 2034 in Salt Lake City (USA)