Behindertensport

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Siegespose von Spieler Felix Schrader
© Ralf Kuckuck / DBS

Erster Sieg! - Schrader-Festspiele in Mailand

Was für ein Krimi, was für ein Jubel: Felix Schrader schießt die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft im Entscheidungsspiel gegen die Slowakei mit seinem vierten Treffer in der Overtime zum Sieg - Schrader-Festspiele in Mailand. Mit 4:3 (2:1, 0:2, 1:0, 1:0) ringt Deutschland den langjährigen Rivalen Slowakei nieder und hat nach dem ersten Paralympics-Sieg seit 20 Jahren die Chance auf Platz fünf. Die Entscheidung fällt am Samstag, der Gegner wird am Donnerstagabend ermittelt zwischen Italien und Japan.

Als mit dem entscheidenden Tor in der Overtime das Spiel abgepfiffen wurde, war die Stimmung ausgelassen bei den deutschen Spielern. Die Akteure auf dem Eis wussten, was sie mit diesem Sieg erreicht hatten. „Mehr Krimi geht nicht bei einem Eishockey-Spiel. Trotz Rückstand haben wir nochmal richtig Gas gegeben und aufgeholt. Das ist ein Mega-Erfolg, ich freue mich für das ganze Team und für ganz Para Eishockey-Deutschland“, war Matchwinner Felix Schrader nach dem Spiel überglücklich. Auch Trainer Peter Willmann war von seiner Mannschaft begeistert: „Wir wussten, dass es ganz harte Arbeit wird, aber wir haben daran geglaubt. Felix hat eine super Quote, vier Alleingänge und vier Tore – sensationell der Bursche, aber es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, jeder hat für jeden gekämpft. Wir wollten heute etwas ernten, das ist uns gelungen."


Ein bekannter Gegner

Das Match war mit Spannung erwartet worden, die Slowakei und Deutschland verbindet im Para Eishockey eine gewisse Vorgeschichte. In den letzten Jahren trafen die beiden Teams öfters in entscheidenden Duellen aufeinander, unter anderem auch bei der WM in Buffalo im vergangenen Jahr, wo Deutschland sich mit einem 5:2-Sieg den fünften Platz und die Teilnahme an den Paralympics sicherte.

Im erneuten Aufeinandertreffen in Mailand entwickelte sich eine Partie mit sehr unterschiedlichen Spielphasen. Die deutsche Mannschaft begann bissig und ging sehr engagiert in die Zweikämpfe. Peter Willmann war mit dem Auftritt zunächst sehr zufrieden: „Die ersten 20 Minuten sind wir super reingekommen, unser Plan ist aufgegangen und wir haben mit zwei Kontern zwei Tore erzielt.“ Beide Male war es Stürmer Felix Schrader, der mit seinen präzisen Abschlüssen dem slowakischen Torhüter Eduard Lepacek keine Chance ließ. Den zweiten Treffer erzielte Schrader nur wenige Sekunden, nachdem er nach einer Zwei-Minuten-Strafe wieder aufs Eis zurückgekehrt war. Die Slowakei kämpfte sich in der Folge aber in die Partie und erzielte drei Minuten vor Ende des ersten Drittels den 1:2-Anschluss.

Felix Schrader © Ralf Kuckuck / DBS

Den Schwung nahm die Mannschaft von Trainer Ivan Hricko mit in das zweite Drittel und erzielte mit dem ersten Angriff den 2:2-Ausgleich. Dabei nutzte Torschütze Vecerek eine Schwäche in der deutschen Defensive aus, die zu Wiederbeginn noch nicht ganz wach schien. Beflügelt vom zweiten Treffer drehte die Slowakei nun auf und verwies die deutsche Mannschaft, die den eigenen Spielfluss verloren hatte, mehr und mehr in die Defensive. Am Ende einer slowakischen Überzahl war der Puck erneut im deutschen Tor, der Treffer wurde aber nach einem Videobeweis aufgrund einer Torhüterbehinderung aberkannt. Dennoch: Das dritte Tor für die Slowakei schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein und fiel schließlich kurz vor der Pause.


Mit hartem Kampf und starken Kontern in die Overtime

Deutschland war jetzt im letzten Drittel gefordert und warf nochmal alles rein, blieb aber spielerisch unterlegen. Torhüter Veit Mülhans musste mehrfach retten, auf der anderen Seite war sein slowakischer Kollege selten gefordert. „Das zweite Drittel war größtenteils ein Durcheinander, das sich bis ins dritte Drittel gezogen hat. Doch wir haben uns noch einmal zusammengerauft mit hartem Kampf und so unsere Konter bekommen“, berichtete Peter Willmann. Einen davon nutzte erneut Felix Schrader zum 3:3 und stellte damit den Spielverlauf auf den Kopf.

Wenig später war klar: Es geht in die Overtime, das erste Tor beendet das Spiel. Zehn Minuten nur noch vier gegen vier auf dem Eis. Beziehungsweise für den Beginn der Verlängerung nur drei gegen vier, denn der deutsche Kapitän Jan Malte Brelage hatte sich kurz vor Ende der regulären Spielzeit noch eine Zeitstrafe eingehandelt, die mit in die Overtime übertragen wurde. Deutschland überstand mit vereinten Kräften jedoch die bereits fünfte Unterzahl in diesem Spiel und weitere slowakische Angriffe. Das Team von Peter Willmann wartete auf seine Chance - und als der Moment kam, war es wieder Felix Schrader, der nach einem Befreiungsschlag aus der Defensive erneut alleine auf das slowakische Tor zufuhr. Der Stürmer zeigte keine Nerven und versenkte den Puck eiskalt im Netz. Der Jubel war riesig, das Spiel war vorbei und der erste deutsche Sieg bei Paralympics seit zwanzig Jahren offiziell.

Ein weiterer Erfolg soll zum Abschluss der Spiele her. Am Samstag trifft Deutschland im Spiel um Platz fünf entweder auf Japan oder Italien. Gegen den Gastgeber hat Deutschland nach der Vorrunden-Niederlage noch eine Rechnung offen.

Text: Paul Foreman / DBS


Weitere Stimmen aus dem deutschen Team:

Jörg Wedde: „Nach dem schnellen 2:0 sind wir irgendwie eingebrochen und haben die Slowaken eingeladen, ihre Tore zu schießen. Die haben dann natürlich Morgenluft gewittert und gedrückt und gedrückt.“

Kapitän Jan Malte Brelage: „Wir sind stolz und froh, dass wir das Spiel noch drehen konnten. Es ist der erste Sieg seit 20 Jahren, der Dank geht an Felix Schrader. Wir haben an uns geglaubt und weiter gekämpft. Das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel. Feiern steht noch nicht auf der Agenda.“

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