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Bernhard Hering am Puck. Foto: Ralf Kuckuck / DBS
Bernhard Hering am Puck. Foto: Ralf Kuckuck / DBS

Winter-Paralympics 2026: Erstes Tor im Para Eishockey reicht nicht

Spannung pur hat das letzte Gruppenspiel der deutschen Para Eishockey-Nationalmannschaft gegen Gastgeber Italien geboten. Vor 5.000 Zuschauern lieferten sich beide Teams eine umkämpfte und ausgeglichene Partie – mit dem besseren Ende für Italien, die das Spiel mit 2:1 (1:1, 1:0, 0:0) gewannen. Deutschland schließt damit die Gruppe A als Vierter ab, sorgte durch das erste Tor seit den Spielen 2006 aber für einen historischen Moment.

Es war eine Szene, die sich wohl alle, die es mit der deutschen Para Eishockey-Nationalmannschaft halten, im Vorhinein erträumt hatten. Jano Bußmann fuhr nach einem Pass von Ingo Kuhli-Lauenstein plötzlich allein auf das italienische Tor zu. Erst wenige Minuten waren gespielt und das erste Tor bei Paralympics nach zwanzig Jahren nun zum Greifen nah. Die Spannung in der gesamten Mailänder Arena war spürbar – und verwandelte sich kurz darauf in Ekstase, als der Bußmann den Puck am italienischen Goalie vorbei im Tor unterbrachte. Riesig war der Jubel beim gestern erst 19 Jahre alt gewordenen Bergneustädter (NRW / TuS Wiehl) und seinen Teamkollegen.

„Für Jano freut mich das sehr. Gestern am Geburtstag gegen die weltbeste Mannschaft gespielt und heute das Tor geschossen. Das ist sensationell“, sagte Trainer Peter Willmann. Es war ein Moment, der trotz der Niederlage in Erinnerung bleiben wird. Nicht nur bei Jano Bußmann, dem jüngsten Spieler des Teams, sondern auch bei seinen Mitspielern und im deutschen Para Eishockey.

Ein Duell auf Augenhöhe

Schon mit dem ersten Bully-Gewinn von Bernhard Hering zu Beginn war klar, dass dieses Spiel ein anderes wird als die Partien gegen China und USA zuvor. Gegen die beiden übermächtigen Gegner war die deutsche Mannschaft chancenlos geblieben, genauso wie Italien, die immerhin in beiden Spielen ein Tor erzielt hatten und gegen die US-Amerikaner sogar in Führung gegangen waren. Jetzt trafen sich zum ersten Mal in der Gruppe zwei Mannschaften auf Augenhöhe, die beide unbedingt den ersten Sieg einfahren wollten.

Es entwickelte sich ein zunächst ausgeglichenes Duell mit Chancen auf beiden Seiten und der frühen deutschen Führung. „Nach zwei Spielen auf sehr hohem Niveau, von denen wir noch einen Kreisel im Kopf hatten, war es wichtig, dass wir hinten stabil stehen, das haben wir gut gemacht. Simon, unser Torhüter, hat überragend gehalten. Aus der sicheren Defensive haben wir uns die Chancen erarbeitet und mit ein bisschen mehr Schussglück hätte auch noch ein Tor mehr fallen können“, berichtete Peter Willmann. Stattdessen erzielte Italien kurz vor Ende eines eigenen Powerplays den 1:1-Ausgleich.

Nach Wiederbeginn dauerte es nicht lange, bis Italien zur Führung traf. Torhüter Simon Kunst hatte dabei noch Kontakt zum Puck, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern. Danach hätte das Spiel in beide Richtungen kippen können. Sebastian Disveld hatte bei einer Überzahl eine große Chance auf den Ausgleich, auf der anderen Seite rettete Ingo Kuhli-Lauenstein für den bereits geschlagenen Torhüter Simon Kunst auf der Linie. Mit zunehmender Spieldauer gewann Italien jedoch immer mehr Oberwasser, während das deutsche Team nicht mehr den großen Druck entfachen konnte. Das Team von Peter Willmann gab nochmal alles, spielte in den letzten dreißig Sekunden ohne Torhüter, doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen.

Voller Fokus auf das Ziel Platz fünf

„Das war ein unglaublich gutes Spiel, sehr ausgeglichen, eine gute Werbung für unseren Sport. Es ist eine große Freude für mich, dass ich das erste Paralympics-Tor für Deutschland seit 20 Jahren schießen durfte. Die Gegentore waren ärgerlich, am Ende haben ein paar unglückliche Aktionen dazu geführt, dass wir nicht mehr gewinnen konnten. Den Traum von den Paralympics erleben zu dürfen, vor so einer geilen Kulisse und in so einer Arena – das gibt es nur im Para Eishockey“, resümierte Torschütze Jano Bußmann.

Weiter geht es jetzt für die deutsche Mannschaft mit den Platzierungsspielen um Rang fünf. Als Gruppenvierter wird das Team am Donnerstag entweder auf Japan oder die Slowakei treffen. In diesem Überkreuzspiel entscheidet sich, ob Deutschland in der letzten Partie in Mailand am Samstag um Platz fünf oder Platz sieben spielt. „Das nächste Spiel ist jetzt das wichtigste Spiel. Das wollen wir unbedingt gewinnen. Alle haben gefightet und das ist genau das, was wir brauchen für das nächste Spiel“, betonte Peter Willmann.

Weitere Stimmen aus der deutschen Para Eishockey-Nationalmannschaft:

Kapitän Jan Malte Brelage: „Ich bin sehr stolz auf die Jungs und es hat verdammt viel Spaß gemacht. Wir haben viel mehr zu unserem Spiel gefunden, sind besser aus der Defensive herausgekommen und hatten sehr gute Chancen. Aus diesem Spiel können wir sehr viel mitnehmen, haben Selbstbewusstsein getankt, unser Keeper hat stark gehalten und jeder hat seinen Job gemacht. Wir können sehr zufrieden sein. Dass Jano sein Tor macht, ist ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Er ist ein geiler Typ und super talentierter Spieler, der uns als Mannschaft seit Jahren mega unterstützt. Die Welt sollte sich in Acht nehmen, der Junge wird noch ganz groß rauskommen, da bin ich mir ganz sicher.“

Ingo Kuhli-Lauenstein: „Wir haben heute gezeigt, was wir können und wofür wir in den vergangenen Monaten trainiert haben. Wir hatten heute etwas mehr Zeit an der Scheibe und damit auch um die Dinge umzusetzen, die unser Trainer von uns erwartet. Das war ein fantastisches Spiel – und ich hoffe, dass wir auf die Italiener nochmal im Spiel um Platz fünf treffen. Das ist unser großes Ziel.“

Text: Paul Foreman / DBS

Foto: Ralf Kuckuck / DBS

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