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19.03.2018 | „Keine Steigerungsform mehr für Leistungen der Athleten“

Vier Medaillen mehr als bei den Winter-Paralympics im russischen Sotschi 2014 und eine allgemein „ausschließlich positive Präsentation nach außen“: Die Deutsche Paralympische Mannschaft ist mit sieben Gold-, acht Silber- und vier Bronzemedaillen von den Paralympics im südkoreanischen PyeongChang zurückgekehrt.

Anna-Lena Forster (Super-Kombination und Slalom); Quelle: Oliver Kremer / DBS

Frechen, 19.03.2018.  „Die Paralympischen Winterspiele in PyeongChang sind für die Deutsche Paralympische Mannschaft als Erfolgsgeschichte zu Ende gegangen“, sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverband (DBS) und Dr. Karl Quade, Chef de Mission, fügte angesichts von Platz fünf im Medaillenranking hinzu: „In Relation zu Sotschi ist das sportliche Gesamtergebnis viel ausgeglichener, die Nationen teilen sich auf mehr Nationen in der Spitze auf – und wir gehören dazu.“ 

Den Rahmen für die erfolgreichen Spiele setzten die Monoskifahrerinnen: Direkt am ersten Wettkampftag hatte Anna Schaffelhuber in der Abfahrt Gold gewonnen, die Fünffach-Siegerin von Sotschi ließ am Tag darauf noch Gold im Super G folgen. Im allerletzten Wettbewerb der zehn Tage fuhr dann Anna-Lena Forster im Slalom zu ihrem zweiten Paralympics-Titel, nachdem sie zuvor schon die Super-Kombination etwas überraschend für sich entschieden hatte. Zwei Mal Gold für Anna, zwei Mal Gold für Anna-Lena, zwei Mal Gold für Andrea: Das A-Team war wie in Sotschi eine beliebte Wortkürzung für die erfolgreichen deutschen Frauen, zumal Andrea Eskau mit zwei Siegen, drei Silber- und einer Bronzemedaille in Biathlon und Langlauf zur erfolgreichsten deutschen Athletin wurde. Komplettiert wurde das A-Team von Andrea Rothfuss, die mit vier Mal Silber und ein Mal Bronze bei jedem ihrer fünf Starts aufs Treppchen fuhr.

Der einzige Nicht-A-Team-Paralympicssieg war gleichzeitig ein historisches Ereignis, als Martin Fleig über die Biathlon-Langdistanz mit null Fehlern bei 20 Schüssen sein ersehntes Gold gewann. Nach 29 Medaillen in Folge für die deutschen Frauen beendete Fleig damit die Durststrecke der Männer, die letztmals 2010 im kanadischen Vancouver Medaillen gewinnen konnten. Nachdem Fleig den Bann gebrochen hatte, legten seine nordischen Teamkollegen Alexander Ehler und Steffen Lehmker nach: Zusammen mit Andrea Eskau kämpften sie sich in der Langlauf-Mixed-Staffel zu Bronze – die erste Staffelmedaille seit Nagano 1988.

Die tragischen Geschichten der Spiele gehörten aber ebenfalls wieder dazu: Der Sturz von Monoskifahrer Georg Kreiter, der sich an Schlüsselbein und Schulter verletzte. Sein Kollege Thomas Nolte, der im Slalom eine Stange verpasste, sich wieder den Berg hochkämpfte und unter frenetischem Jubel ins Ziel einfuhr. Oder Anna Schaffelhuber, die im Slalom das Verdeck ihres Monoskis verlor und dadurch Bronze um 0,33 Sekunden verpasste.

Abgerundet wurde das gute deutsche Abschneiden von zwei Biathlon-Bronzemedaillen der Paralympics-Debütantin Clara Klug mit ihrem Guide Martin Härtl, die bei der Schlussfeier dann auch die Fahne tragen durften. Die Rollstuhlcurling-Mannschaft um Skip Nane Putzich begeisterte ebenfalls zeitweise und machte beste Werbung für ihren Sport, als sie mit vier Siegen aus fünf Spielen ins Turnier starteten und am Ende punktgleich mit Platz fünf Rang acht belegten. 23 Plätze zwischen Platz vier und acht machten das deutsche Ergebnis auch außerhalb der Medaillenränge wertvoll. „Ich bin fröhlich, ich bin glücklich und immer mehr fällt mir auf, dass ich keine Steigerungsform mehr finde, wenn ich die Leistungen der Athleten zu bewerten habe“, sagt Beucher, der auch lobende Worte für die verbindende Wirkung des Sports im Verständigungsprozess zwischen Nord- und Südkorea fand: „Es hat sich gezeigt, dass es kein Einmalküken war, was sich schon während der Olympischen Spiele angedeutet hat. Wer vor drei Monaten noch gesagt hätte, dass Südkoreas Präsident und Kim Jong-Un sich treffen, dem hätte man den Vogel gezeigt.“

Gleichzeitig appellierte er angesichts der Wetterkapriolen vor Ort mit schwierigen Bedingungen für die Athleten an das Internationale Olympische Komitee (IOC), in Zukunft bei der Wahl der Austragungsorte auch an andere Faktoren zu denken: „Nachhaltigkeit muss oben stehen und Umweltschutz darf nicht hinten runterfallen, sonst werden fröhliche Spiele zu Spielen, bei denen Fröhlichkeit und der Wettkampf in den Hintergrund treten.“

Ab dem 1. Januar 2019 wird nun die Förderung in Richtung Peking 2022 starten. Dann könnte auch Snowboard aus deutscher Sicht wieder mit dabei sein, wie Quade in seinem Ausblick sagt: „Wir haben diese Woche einen Snowboard-Trainer berufen, der auch schon mit einer kleinen Gruppe arbeitet, sodass wir die Sportart in Peking hoffentlich gut besetzen werden.“

Im nordischen Bereich ist die Mannschaft mit dem Paralympischen Trainingsstützpunkt in Freiburg, der weiter ausgebaut werden soll, gut aufgestellt, im alpinen Bereich gibt es diesen nicht, weil die zentrale Zusammenkunft von den Bedingungen her in Deutschland nicht verfügbar ist. „Wir wollen Konzentration, beste Rahmenbedingungen kann man nur lokal schaffen. Im Alpinen gibt es das nicht, aber da wird gerade im Bayerischen Landesverband sehr viel passieren, dass junge Sportler den Anschluss schaffen an die Mannschaften. Das zeigt, dass wir auf der richtigen Seite sind.“

Goldmedaillen: 2x Andrea Eskau (Biathlon 12,5km und 10km), 2x Anna Schaffelhuber (Abfahrt und Super G), 2x Anna-Lena Forster (Super-Kombination und Slalom), Martin Fleig (Biathlon 15km)

Silbermedaillen: 4x Andrea Rothfuss (Abfahrt, Super G, Super-Kombination, Riesenslalom), 3x Andrea Eskau (Langlauf Sprint, 5km und 12km), Anna Schaffelhuber (Super-Kombination)

Bronzemedaillen: 2x Clara Klug mit Martin Härtl (Biathlon 12,5km und 10km), Andrea Rothfuss (Slalom), 4x2,5 km Langlauf-Mixed-Staffel (Andrea Eskau, Steffen Lehmker, Alexander Ehler)

Quelle: Deutscher Behindertensportverband e.V. – National Paralympic Committee Germany

 



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