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04.08.2017 | 36. Deutsche Meisterschaften 2017 in Weinheim

Vom Freitag, dem 14.07. bis zum Sonntag, dem 16.07.2017, veranstaltete der Deutsche Behindertensportverband (DBS) die 36. Deutschen Meisterschaften im Kegeln der Sektion Classic. Ausgetragen wurden die Wettkämpfe auf den Bundeskegelbahnen der Weinheimer Sportkegler 1925 e.V. (Rheinland-Pfalz).
Für diese DM hatten sich aus Sachsen insgesamt 39 Einzelstarter, davon 19 Sehgeschädigte und 20 Spieler mit körperlichem Handicap, qualifiziert. Ebenso jeweils 2 Mannschaften.
Wie immer ermittelten die blinden und sehgeschädigten Kegler am Freitag ihre Sieger und Platzierten im Einzel- und im Mannschaftswettbewerb. Die sächsischen Kegler holten am Vormittag in drei Schadens- und zwei Altersklassen insgesamt 10 Medaillen, davon 4 x Gold, 3 x Silber und 3 x Bronze. In der WK 5 Damen erkämpfte sich Kerstin Seerig (SG Freiberg) mit 461 Holz Gold. Die Titelverteidigerin Judith Dolny (Lok Chemnitz) holte sich mit 397 Holz noch Bronze.
Bei den Seniorinnen dieser WK holte sich Adelheid Rother (CSV Siegmar) mit nur 6 Holz hinter der Deutschen Meisterin, mit 359 Holz, Silber.
Bei den im Zeitraum vom 29.05. bis 04.06.2017 vom internationalen Sportverband für Blinde und Sehbehinderte (IBSA) veranstalteten 17. Europameisterschaften im Kegeln der Sektion Classic im serbischen Apatin, holte sich Adelheid in der Einzelwertung und in der Kombinationswertung jeweils die Silbermedaille. Damit erhöhte sie ihre Medaillensammlung bei internationalen Wettkämpfen auf insgesamt 22 Medaillen.
Herzlichen Glückwunsch!
Bei den Herren der WK 5 gewann Frank Grunert (Lok Chemnitz) mit 461 Holz Bronze. Günter Grabowski (Riesa) verteidigte seinen Titel mit 438 Holz und holte sich erneut die Goldmedaille.
Auch war er in Apatin mit von der Partie und belegte dort den 8. Platz.
Auch in der WK 6a konnten die Sachsen punkten. Adelheid Dörfert (Lok Chemnitz) holte sich mit 505 Holz Silber. Ronny Keiser (Lok Chemnitz) gewann bei den Herren mit 510 Holz Bronze.
Ilona Schwartz (ESV Freiberg) gewann Gold mit 561 Holz bei den 6b-Seniorinnen.
Einen Doppelsieg landeten die sächsischen Kegler bei den Senioren in der WK 6b.
Gerd Beyer (Lok Chemnitz) holte sich mit 554 Holz Gold und Erhard Sickert (Riesa) mit 541 Holz Silber.
Am Freitagnachmittag mussten die Blinden und Sehgeschädigten zum Mannschaftswettbewerb erneut auf die Bahnen. Leider reichte es für die 2 Vertretungen aus Sachsen nicht zu einer Medaille. Immerhin kann Sachsen zur DM 2018 wieder 3 Mannschaften an den Start schicken.
Der ESV Lok Chemnitz belegt den undankbaren 4. Platz mit 1982 Holz und die SG Riesa-Bautzen-Dresden mit 1914 Holz den 5. Platz.
Für Chemnitz spielten: Adelheid Dörfert (514), Rainer Escher (510), Frank Grunert (441) und Gerd Beyer (517). Die SG RBD trat mit Gisela Steglich (400), Bernd Scholl (544), Erhard Sickert (531) und Günther Wolfram (232) / Günter Grabowski (207) an.
Die sächsischen Kegler mit körperlichem Handicap gingen am Sonnabend in 5 Wettkampfklassen und 2 Altersklassen auf die Bahnen. 9 Medaillen standen am späten Ende (gegen 20:30 Uhr) auf der Haben-Seite.
In der WK 1 Herren gewann Peter Hiller (Bautzen-West) mit 399 Holz Silber. Im Seniorenbereich dieser WK sicherte sich Peter Weihmann mit 373 Holz Bronze. Der Deutsche Meister von 2015 und 2016 Bernd Wagner (beide Eilenburg) kam mit 369 Holz leider nur auf den 4. Platz.
Roswitha Silbersack (VfB Lengenfeld) erkämpfte mit 387 Holz knapp die Goldmedaille in der WK 2 Seniorinnen.
Bei den Herren dieser WK sicherte sich André Vogel (Eilenburg) mit der Turnierbestleistung von 490 Holz die Goldmedaille. Man spürte seine Verärgerung über eine eigenartige Regelauslegung durch den zuständigen Schiedsrichter. Dazu später mehr.
In der WK 3 Seniorinnen gewann Heidemarie Krause (Neustädter SV) mit 422 Holz souverän die Goldmedaille. Sie spielte erstmal in der Klasse der Armgeschädigten.
Auch Andreas Klemm (Bautzen-West) gewann mit 414 Holz Gold. Er spielte erstmals in der Seniorenklasse.
In der WK 4 Herren wurden sehr gute Ergebnisse erzielt. Frank Hoppe (Bautzen West) konnte sich mit 450 Holz noch die Bronzemedaille sichern. Leider verfehlten die beiden anderen Starter für Sachsen, Stefan Peukes (Plauen) mit 425 Holz (Platz 7) und Michael Fichte (Bautzen West) mit 413 Holz (Platz 12) einen Platz unter den ersten 6. Damit stehen uns 2018 nur noch 2 Startplätze zur Verfügung.
Ähnlich erging es den Startern in der WK 4 Senioren. Dieter Rudolf (Bautzen West) gewann mit ebenfalls 450 Holz zwar die Silbermedaille, die beiden anderen sächsischen Starter, Bruno Schien (406) und Rainer Wrobel mit glatt 400 Holz (beide SC Hoyerswerda), kamen nur auf Platz 8 und 10. Damit fehlt uns auch in dieser WK im nächsten Jahr ein Startplatz.
In der WK 8 Herren belegte Falk Neumann (Koweg Görlitz) mit 581 Holz (in die Vollen, ohne Abräumer) den zweiten Platz im 13-köpfigen Starterfeld. 5 Holz fehlten nur zu Gold.
12 Sechsermannschaften gingen am Sonntag ins Rennen um die Medaillen.
Für die beiden sächsischen Vertretungen ging es erneut um die Frage, ob sich wieder eine Mannschaft unter den ersten sechs Mannschaften platzieren kann, um im kommenden Jahr wieder 2 Startplätze für Sachsen zu sichern. Das ging leider schief.
Der Start beim KV Bautzen West begann verheißungsvoll. Nach dem dritten Starter lag die Mannschaft sogar vorübergehend auf dem ersten Platz.
Dann kam der Einbruch. Am Ende belegte Bautzen mit 2480 Holz Platz 7.
In der Mannschaft spielten: Dieter Rudolf (430), Michael Fichte (433), René Hollstein (435), Andreas Klemm (379), Peter Hiller (379) und Frank Hoppe (424).
Ähnlich erging es dem KV Eilenburg. Der Start war eher verhalten.
Zum Schluss bäumte sich die Mannschaft nochmal auf, aber da war es für eine bessere Platzierung schon zu spät. Für Eilenburg spielten: Peter Weihmann (384), Hartmut Zerche (403), Klaus Nowak (366), Hans-Joachim Schmidt (399), Hans-Peter Grundei (474) und André Vogel (420). Mit insgesamt 2446 Holz belegte Eilenburg damit den 8. Platz.
Ein paar Nachbetrachtungen zur diesjährigen Meisterschaft.
Bereits im Vorfeld der DM gab es Ungereimtheiten bei den veröffentlichten Startlisten (falsch geschriebene Namen von Spielern und Mannschaften etc.). Entsprechende Hinweise wurden weitgehend ignoriert. Ebenso war die Bahnverteilung im Mannschaftswettkampf eigenartig. Bei 12 Mannschaften und 12 Bahnen ist es wohl kein Problem langfristig die Startreihenfolge festzulegen und zwar so, dass jede Mannschaft auf jeder Bahn spielen muss und nicht, wie beim DBS veröffentlicht, z.B. Bautzen 2 x auf den gleichen Bahnen. Die endgültigen Listen gab es erst am Morgen des Wettbewerbes. Da die Mannschaftsmeldungen bereits am Sonnabend abzugeben waren, konnte auf die neue Situation kein Einfluss mehr genommen werden.
Auch die Leistungen einiger Schiedsrichter bzw. des Turnierleiters waren z.T. eigenartig.
3 Beispielen sollen das verdeutlichen:
Zu Beginn der Meisterschaft wurde durch den Turnierleiter verkündet, dass keine Hilfsmittel, wie z.B. Stühle zum Ablegen des Handtuches, genutzt werden dürfen. Die Regelungen bei Classic sehen aber diese Möglichkeit vor. Es ist vor allem nicht einzusehen, warum schwer gehbehinderte Kegler mehrere Schritte laufen sollen, um an ihr Handtuch zu gelangen.
André Vogel war über diese Regelauslegung so erzürnt, dass ihn seine Wut wohl am Sonnabend zur Tagesbestleistung anspornte. Die Ansage des Turnierleiters hatte sich übrigens nach der ersten Runde bereits erledigt, weil die Kegler bei Bedarf ihre Ablagen in den Spielerbereich mitnahmen.
Eine weitere Regelung besagt, dass ein Spieler mit eigenen Kugeln bei Bedarf, z.B. wenn die eigenen Kugeln sich im Rücklauf verhaken, auch mit aufgelegten Kugeln spielen kann.
Klaus Nowak (KV Eilenburg) wurde durch den Schiedsrichter daran gehindert. Er musste auf seine Kugeln warten. Dabei verrinnt die Zeit. Eine sofortige Beschwerde beim Turnierleiter, veranlasste diesen lediglich zu der Bemerkung: Da hat er eben Pech gehabt!
Da jeder Spieler im Wettkampf unter hoher Anspannung steht, wirkt sich eine solche Reaktion wenig hilfreich aus.
Klar geregelt ist die Verfahrensweise bei Auswechslungen bzw. Verletzungen. Während bei Verletzungen eine Auszeit von bis zu 10 Minuten vorgesehen ist, muss bei Auswechslungen der Einwechselspieler ohne Pause sofort auf das Ergebnis des Auszuwechselnden spielen.
Nicht so bei Weiden / Bayern. Ein Spieler zeigte an, dass er ausgewechselt werden möchte. Durch den Schiedsrichter wurde die Zeit angehalten bis sich der Einwechselspieler vorbereitet hatte. Dies dauerte rd. 5 Minuten. Pro Minute Spielzeit absolviert ein Kegler ca. 3 Würfe, d.h. in 5 Minuten ca. 15 Würfe. Wäre die Zeit nicht angehalten worden, hätten bei Weiden, dem Rekordmeister, am Ende 75 – 90 Holz weniger zu Buche gestanden.
Zu allem Überfluss wurde die Auswechselung noch nicht mal auf dem Spielprotokoll vermerkt.
Ein weiteres „Highlight“ der Meisterschaft, war die Verabschiedung des bisherigen DBS-Beauftragten Schere, Arthur Schmidt, durch die Leiterin der Abteilung Nationale Spiele, Frau Raupp. Diese Verabschiedung ging im Tohuwabohu am Ende einer Siegerehrung völlig unter.
Der notwendige Hinweis: „Alle bleiben an ihrem Platz“ unterblieb. Leider.
Arthur Schmidt hätte sich eine würdigere Verabschiedung verdient.
Stellt sich bei den für jeden Aktiven anfallenden Kosten für die Fahrten, für Übernachtungen, für Essen und Trinken, die Frage nach der Sinnhaftigkeit der weiteren Teilnahme an künftigen Meisterschaften.
Nach übereinstimmender Meinung aller sächsischen Teilnehmer herrschte unter der Leitung der ehemaligen DBS-Beauftragten Kerstin Stubenrauch, Ordnung und Disziplin, wie sie bei Deutschen Meisterschaften erforderlich ist. Ihre fristlose Abberufung vor 4 Jahren durch die Abteilung Nationale Spiele war absolut unverständlich. Eine plausible Erklärung fehlt bis heute.
Daß ihr eigener Landesverband wohl nicht unmaßgeblich mit beteiligt zu sein schien, macht die Sache nicht besser.
Auch Sachsen war damals mit 2 Disqualifikationen betroffen, allerdings waren diese Entscheidungen völlig korrekt. Auch wenn die betroffenen Spieler natürlich verärgert waren.
Daß diese Deutschen Meisterschaften schlussendlich ohne weitere Unzulänglichkeiten abgeschlossen werden konnten, lag aus meiner Sicht vor allem am umsichtigen Agieren solcher Sportler, wie Joachim Gebauer, Arthur und Heidrun Schmidt, den Verantwortlichen des KV Weinheim u.a.
Frank Bullmann
Landesfachwart Kegeln im SBV e.V.



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